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Polyneuropathie und Chinesische Medizin

Polyneuropathie (PNP) aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)

Wie versteht die TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) eine Polyneuropathie und was kann sie ausrichten – stoppen, lindern, heilen?

Ausgehend von einer nach den Grundlagen der modernen Medizin gestellten Diagnose einer Polyneuropathie wird in der Chinesischen Medizin mit Hilfe der Zungen- und Pulsdiagnose (siehe ggf. Artikel: Grundlagen der TCM) sowie ausführlicher Befragung eine weitere Diagnose nach den Kriterien der TCM gestellt.

Diese Diagnose beschreibt den ganzheitlichen Status des Patienten mit der Ursache eines Erkrankungsbildes, der so genannten Wurzel und den Symptomen, den so genannten Zweigen einer Erkrankung. Aus einer Wurzel können mehrere Zweige hervorgehen.

Dieser individuelle ganzheitliche Status eines Patienten wird mit in die Behandlung einbezogen und geht über eine Behandlung der reinen Symptomatik (Zweige einer Erkrankung) hinaus. Insofern greift eine TCM-Behandlung zusätzlich am Ursprung der Krankheitsentstehung an.

Grundsätzlich ist bei der PNP aus Sicht der TCM die Zirkulation und Produktion von Energie (yang bzw. qi) und Säften (yin) gestört (siehe ggf. Artikel: Grundlagen der TCM).

Ursächlich können aus Sicht der TCM verschiedene Faktoren – einzeln oder in Kombination – zu einer Erkrankung führen: innere (z.B. Emotionen), äußere (z.B. das Klima, Unfälle) und neutrale (z.B. Ernährungsfehler) Faktoren.

In Folge dieses Störungsmusters entsteht bei PNP-Betroffenen häufig ein so genannter „Schleim“ (tan), der im Körper absinkt und die Energiebahnen (Meridiane) verstopft. Gleichzeitig wird der Qi-Fluss in den Energiebahnen beeinflusst und es entsteht ein Stau und eine Mangelversorgung mit Energie.

Die Frage nach dem biochemischen Substrat von Schleim kann momentan nur hypothetisch beantwortet werden, es gibt aber gute Gründe für die Annahme, dass es sich um Eiweiße oder Proteinfragmente handelt, die aus verschiedenen Körper- und Immunprozessen im Laufe der Jahre anfallen und sich ablagern.

Dieser Schleim wird als „heiß“ oder „kalt“ kategorisiert und kann mit entzündlich oder nicht-entzündlichen Prozessen verglichen werden.

Aus diesem Ursprung resultieren mit der Zeit verschiedene Symptome wie zum Beispiel Brennen, Kältegefühle, Taubheit oder Schweregefühl. Diese Symptome werden in Ihrer Ausprägung und Lokalisation in der TCM einzeln bewertet und bilden zusammen mit der Grundkonstitution des Patienten die Basis für die Arznei-Anmischung oder Akupunktur-Punkt-Auswahl, die sich entsprechend je nach Patient und Symptom-Konstellation unterscheidet!

Durch diese Behandlung wird neben der Mobilisation, Umwandlung und Ausleitung von Schleim parallel die Entstehung von neuem Schleim möglichst gestoppt. Gleichzeitig regt der TCM-Therapeut den Energiefluss (Qi) in den betroffenen Arealen der Meridiane wieder an.

Es stehen mehrere Therapiemöglichkeiten wie zum Beispiel die Chinesische Arzneitherapie, verschiedene Akupunkturverfahren und ggf. neuere Verfahren wie elektrische Nadelstimulation, Wärmetherapie wie Moxibustion, Ernährungstherapie aus Sicht der TCM und ggf. weitere Verfahren zur Verfügung, die einzeln oder kombiniert zum Einsatz kommen.

Die wichtigste Therapiesäule ist dabei die Chinesische Arzneitherapie, die im Ursprungsland China bei 90% aller Patienten angewendet wird. Sie ist ein so genanntes Inneres Verfahren, bei der Kräuter, Mineralien und tierische Anteile in Form von Tee, Granulat, Tropfen oder Fertigpräparaten verabreicht werden. Im Laufe der Behandlung wird die Rezeptur häufig verändert und damit an den einzelnen Verlauf angepasst. Eine individuelle Anmischung muss in deutschen Apotheken erfolgen. Alle Arzneimittel der TCM unterliegen strengen Einfuhrkontrollen, sodass in Deutschland nur sichere TCM-Arzneidrogen in spezialisierten Apotheken zu erhalten sind.

Auch die Ernährung nach den 5 Elementen gilt als Inneres Verfahren und wird in der Therapie berücksichtigt. Als Ergänzung dienen so genannte Äußere Verfahren wie Akupunktur . Sie sind hilfreich und unterstützen den Verlauf, sind aber aus TCM-Sicht nicht ausreichend.

Die Akupunktur-Behandlung versucht mit zarten Nadelreizen an individuell ausgewählten Punkten den Energiefluss wieder in Gang zu bringen. Je nach Fall kann auch eine Erwärmung oder elektrische Stimulation von Akupunkturnadeln den Therapieeffekt erhöhen.

Die Prognose, wie erfolgreich eine TCM-Therapie bei einem Menschen sein kann, ist von vielen Faktoren abhängig und kann nicht pauschal beantwortet werden. Bestimmte Formen der PNP können aus Sicht der TCM deutlich gebessert oder zur Symptomfreiheit führen.

Eine Therapie greift je nach Grundkonstitution des Patienten sowie Ursache, Ausprägung und Dauer der Erkrankung verschieden schnell. Es muss mit drei Monaten bis einem Jahr Behandlung und länger gerechnet werden.

Die TCM-Klinik am Steigerwald in Gerolzhofen führt in Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Klinikum Schweinfurt seit einigen Jahren wissenschaftliche Studien nach westlichen Standards zu PNP durch. Die Ergebnisse zeigen mittel- und langfristig deutliche Besserungen bei über 50% der Patienten.

Auch am Universtätsklinikum Eppendorf werden am angesiedelten TCM-Zentrum von Dr. Sven Schröder wissenschaftliche Patienten-Studien zum Thema PNP und Akupunktur durchgeführt.

 

Autor: Dr. med. Dunja Petersen . TCM-Ärztin . 2012

2018-11-16T10:04:05+00:00 24. November 2012|Krankheiten aus Sicht der TCM|